|
Wenn ein Verein sein 100-jähriges
Bestehen feiert, richtet sich der Blick nicht nur auf historische
Jahreszahlen. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Menschen, die ihn
über viele Jahrzehnte begleitet, unterstützt und mit Leben erfüllt
haben. Genau ihnen war die Ehrungsmatinee des Musikvereins "Harmonie"
Reilingen am Sonntag, 20. September 2026, in der Aula der
Friedrich-von-Schiller-Schule gewidmet.
Mit
dem "Bozner Bergsteiger-Marsch" eröffnete das Orchester unter
der Leitung seines Dirigenten Alexander Hartmann den festlichen
Vormittag. Der Erste Vorsitzende Karlheinz Askani begrüßte die zu
Ehrenden, Mitglieder und Ehrengäste. Er erinnerte an das 100-jährige
Bestehen des 1926 gegründeten Vereins und hob dessen zwei tragende
Säulen hervor: die aktiven Musikerinnen und Musiker sowie die
fördernden Mitglieder, die der "Harmonie" oftmals über
Jahrzehnte die Treue halten.
Treue,
die den Verein trägt
Zunächst
wurden die fördernden Mitglieder für 30, 40, 50 und sogar 70 Jahre
Mitgliedschaft ausgezeichnet. Ihre langjährige Verbundenheit machte
deutlich, wie tief die "Harmonie" in der Gemeinde verwurzelt ist.
Denn ein Musikverein lebt nicht allein von den Menschen auf der
Bühne, sondern ebenso von denjenigen, die seine Veranstaltungen
besuchen, bei Festen mithelfen und die Nachwuchsarbeit unterstützen.
Gerade
diese Jugendarbeit steht heute wieder auf einem starken Fundament.
Unter der Verantwortung von Alexander Hartmann und seiner Frau Corina
Hartmann befinden sich rund 50 Kinder und Jugendliche in
musikalischer Ausbildung. Das Angebot reicht von der musikalischen
Früherziehung und dem Flötenunterricht bis zur Ausbildung an
klassischen Blasinstrumenten.
Bürgermeister
Stefan Weisbrod hob in seiner Ansprache das große Interesse an der
Jugendausbildung hervor. Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass
der Verein nach zusätzlichen Räumlichkeiten sucht. Einen Beitrag
zur weiteren Förderung leistete die Sparkasse Heidelberg.
Regionalleiter Tobias Trenz überreichte einen symbolischen Scheck
über 1.000 Euro für die Jugendarbeit.
Sechs
Jugendliche wagten den Neubeginn
Die
erfolgreiche Nachwuchsarbeit von heute erinnert zugleich an die
schwierigen Neuanfänge der „Harmonie“. Nach dem Ausscheiden der
damaligen aktiven Musiker Anfang der 1950er-Jahre war der Fortbestand
des Vereins keineswegs selbstverständlich. Persönlichkeiten wie
Fritz Schwab, Otto Kilian, Gustav Hopf und Ernst Hocker stellten
wichtige Weichen für den Neuaufbau.
Zur
ersten Jugendkapelle gehörten Karin Krüger, ihr Bruder Gerhard
Bühler, Karl Adolf, Walter Kilian, Richard Hartmann und Alfred
Schwarz. Diese sechs jungen Menschen legten mit ihrem musikalischen
Neubeginn einen wichtigen Grundstein für die weitere
Vereinsgeschichte.
Karin
Krüger war das einzige Mädchen in der kleinen Formation und ist
heute das einzige Mitglied der damaligen Jugendkapelle, das noch
aktiv im Orchester mitspielt. Alfred Schwarz, der aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr musiziert, wurde bei der Matinee
für 70 Jahre fördernde Mitgliedschaft ausgezeichnet.
Der
2024 verstorbene Walter Kilian gehörte der "Harmonie" 69 Jahre
lang an und war als Trompeter, Ehrenmitglied und verlässlicher
Musikkamerad eine wichtige Stütze des Vereins.
Auch
der außergewöhnliche Weg des ebenfalls 2024 verstorbenen Richard
Hartmann, begann in jener Jugendkapelle. Aus dem jungen Musiker wurde
ein engagierter Ausbilder, vielseitiger Instrumentalist und eine der
prägendsten Persönlichkeiten der Vereinsgeschichte.
Prägende
Persönlichkeiten der Harmonie
Den
entscheidenden musikalischen Impuls gab ab 1961 Willi Ehringer. Weil
es für die ungewöhnliche Besetzung der Jugendkapelle kaum geeignete
Noten gab, arrangierte er die Musikstücke selbst und passte die
Stimmen an die Fähigkeiten der Jugendlichen an. Was aus der Not
heraus entstand, entwickelte sich zum Erfolgsrezept und begründete
den unverwechselbaren Klang des Orchesters.
An
seiner Seite prägte Richard Hartmann die Entwicklung des Vereins.
Von 1992 an führte er die "Harmonie" 32 Jahre lang als erster
Vorsitzender. Gemeinsam mit Willi Ehringer hatte er wesentlichen
Anteil am hervorragenden Ruf des Orchesters. Besonders wichtig waren
ihm die Nachwuchsarbeit, der Zusammenhalt der Aktiven und die
persönliche Verbundenheit mit den Mitgliedern.
Im
Jahr 2017 übernahm Peter Ehringer die musikalische Leitung. Er
führte die Arbeit seines Vaters fort und entwickelte das Orchester
mit anspruchsvollen, passgenau zugeschnittenen Arrangements
musikalisch weiter. Dabei bewahrte er den bekannten "Ehringer-Sound",
setzte aber zugleich eigene Akzente.
Ende
2025 übergab Peter Ehringer nach einem fulminanten Abschiedskonzert
den Dirigentenstab an Alexander Hartmann. Damit schließt sich ein
besonderer Kreis: Während Richard Hartmann einst selbst zur ersten
Jugendkapelle gehörte und später den Verein über drei Jahrzehnte
führte, tragen heute sein Sohn Alexander Hartmann und dessen Frau
Corina Verantwortung für die nächste Musikergeneration.
Die
Laudatio als emotionaler Höhepunkt
Zum
emotionalen Höhepunkt der Matinee wurde die persönliche Laudatio
auf fünf langjährig aktive Mitglieder. Steffen Kurzenhäuser,
Beisitzer der Aktiven, Vorstandsmitglied und selbst Musiker in der
"Harmonie", stellte nicht nur die beeindruckenden Jahreszahlen,
sondern vor allem die Menschen und ihre musikalischen Lebenswege in
den Mittelpunkt.
Hinter
50, 60 oder sogar 70 Jahren aktiven Musizierens stünden unzählige
Proben, Konzerte, Ständchen, Waldfeste, Sommertagsumzüge,
Vereinsausflüge und persönliche Begegnungen. Es gehe deshalb nicht
allein um Jahreszahlen, sondern um einen bedeutenden Teil des Lebens
der Geehrten.
Unter
dem Leitgedanken des "Füreinander" würdigte Kurzenhäuser
Brigitte Heger, Volker Janisch, Adolf Hocker sowie Willi und Karin
Krüger. Persönliche Erinnerungen und liebevoll erzählte
Begebenheiten machten deutlich, was die fünf Aktiven verbindet:
musikalische Leidenschaft, Freundschaft, Verlässlichkeit und
jahrzehntelange Verantwortung für den Verein.
300
Jahre aktives Musizieren
Für
jeweils 50 Jahre aktives Musizieren wurden Brigitte Heger und Volker
Janisch ausgezeichnet. Heger fand 1974 durch Richard Hartmann und
Peter Ehringer den Weg zum Jugendorchester. Seitdem gehört sie mit
Klarinette und Saxofon zum vertrauten Klangbild der Kapelle. Janisch
ist seit fünf Jahrzehnten als Trompeter aktiv und trägt darüber
hinaus als langjähriger Kassier Verantwortung für die
Vereinsfinanzen. Für ihre besonderen Verdienste wurden beide zu
Ehrenmitgliedern ernannt.
Adolf
Hocker erhielt die Auszeichnung für 60 Jahre aktives Musizieren.
Durch seinen damaligen Arbeitskollegen und Trompeter Walter Kilian
fand er den Weg zur "Harmonie". Seit 1965 gehört Hocker als
Posaunist zur Kapelle. Als Beisitzer der Aktiven bringt er zudem
seine langjährige Erfahrung in die Vorstandsarbeit ein. Mit einem
Augenzwinkern erinnerte die Laudatio an seine Rolle als zuverlässiger
„Verpflegungsminister“ bei Vereinsausflügen.
Eine
außergewöhnliche Würdigung erhielten Willi und Karin Krüger für
jeweils 70 Jahre aktives Musizieren. Andreas Sturm,
Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Blasmusikverbands
Rhein-Neckar, überreichte beiden die Ehrennadel
in Gold mit Diamant auf Bandspange und Urkunde.
Nach Angaben des Verbands hatte es eine solche Auszeichnung in dessen
Geschichte bislang noch nicht gegeben.
Willi
Krüger engagierte sich neben dem Musizieren viele Jahre im Vorstand
und bei der Organisation von Vereinsausflügen. Auch das kulturelle
Leben Reilingens bereicherte er unter anderem als Herold der Wersau
und als Reilinger Nikolaus. Im Jahr 2026 wurde er mit der
Bürgermedaille in Bronze ausgezeichnet.
Karin
Krüger verbindet wie kaum jemand die Vergangenheit und Gegenwart der
"Harmonie". Von der Mundharmonika führte ihr musikalischer Weg
zum Tenorhorn und später zur Posaune. Von 1976 bis 1986 war sie
Schriftführerin, seit 1970 betreut sie mit großer
Gewissenhaftigkeit das Notenmaterial der Kapelle. Ihre Arbeit finde
zwar meist außerhalb des Scheinwerferlichts statt, sei aber bei
jeder Probe und jedem Konzert zu hören, hieß es in der Laudatio.
Festlicher
Abschluss des Jubiläumsjahres
Mit
lang anhaltendem Applaus dankten die Anwesenden den Geehrten für
ihre Treue, ihre musikalische Leidenschaft und ihren jahrzehntelangen
Einsatz für die Gemeinschaft.
Die
Ehrungsmatinee bildete zugleich den festlichen Abschluss eines
ereignisreichen Jubiläumsjahres. Mit dem traditionellen Waldfest und
dem Konzert der Big Band der Bundeswehr hatte die "Harmonie" ihr
100-jähriges Bestehen auf besondere Weise gefeiert. Ein starkes
Zeichen für die Zukunft setzte die neu formierte Jugendkapelle, die
beim diesjährigen Reilinger Straßenfest ihren ersten öffentlichen
Auftritt absolvierte.
Zum
Abschluss der Matinee erklang das "Badner-Land-Lied". Der gesamte
Saal stimmte mit ein. Damit fanden der festliche Vormittag und
zugleich das Jubiläumsjahr einen stimmungsvollen Abschluss.
Noch
einmal wurde hörbar, was die "Harmonie" seit 100 Jahren
auszeichnet: Die Geschichte eines Musikvereins wird nicht allein in
einer Chronik festgehalten. Sie wird von den Menschen geschrieben,
die gemeinsam musizieren, Verantwortung übernehmen und den Verein
über Generationen hinweg tragen.
Die
Ausgezeichneten
Fördernde
Mitglieder
30
Jahre, Ehrennadel in Gold: Otmar A.
Geiger, Regina Geiger, Wolfgang Kuderer, Elli Schütz
und Hubert Schütz
40
Jahre, Ehrennadel in Gold mit Diamant: Elfriede Damrau, Willi
Damrau, Hannelore Kilian, Michael Maier,
Lothar Schwarz, Ursula Schwarz, Claudia Söhner und Jörg Söhner
50
Jahre, Ehrennadel in Gold mit Diamant: Sigmar
Bräuninger, Christian Ehringer, Karl Sternberger, Paul
Vögele, Dieter Werner, Klaus Werner und Sigrid Werner
70
Jahre, Ehrennadel in Gold mit Diamant: Alfred Schwarz
Aktive
Mitglieder
50
Jahre, Ehrennadel in Platin mit Urkunde: Brigitte Heger,
Klarinette und Saxofon, Volker Janisch,
Trompete
60
Jahre, Ehrennadel in Platin mit Diamant und Urkunde: Adolf Hocker,
Posaune
70
Jahre, Ehrennadel in Gold mit Diamant auf Bandspange und Urkunde:
Karin Krüger, Posaune, Willi Krüger, Posaune
Zu
Ehrenmitgliedern ernannt: Brigitte Heger und Volker Janisch
|